Taijiquan - die chinesische Kampf- Bewegungskunst als Methode der sozialen Arbeit
Ein Auszug aus dem 3. Kapitel der Diplomarbeit von Jörg Rosenkötter; Fachhochschule Fulda, 2003        
 Die Geschichte des Taijiquan

 Grundlegende Prinzipien
 - Das Prinzip des Wassers
 - Das Prinzip der Spirale
 - Yin und Yang
 Die Idee des Qi
 Taijiquan und Gesundheit
- Auswirkungen des Taijiquan
  aus schulmedizinischer Sicht
- Auswirkungen des Taijiquan
  aus der Sicht der TCM
 Kurze Beschreibung der
 13 Grundtechniken
 Die Bedeutung der
 Partnerübungen
 Literaturverzeichnis
 Kontakt

Das Prinzip der Spirale

In der Spirale finden wir ein wichtiges Strukturprinzip der Natur und unseres Körpers. Spiralen sind überall zu finden, im Aufbau der Galaxien und im Aufbau der Erbsubstanz DNA. Auch die spiraligen Bewegungen des Wassers erinnern uns an dieses Strukturprinzip. Und auch im menschlichen Körper sind Spiralen zu finden (nicht nur in der DNA). Sie sind angelegt im Aufbau unserer Muskulatur. Die Richtungen, in denen Kraft in unserem Körper aufgebaut wird, sind spiralförmig. Spiralen verkörpern somit Funktionalität und Flexibilität (man denke an die Sprungfeder). Schon in den Bewegungen Neugeborener zeigt sich dieses Prinzip. Gleichzeitig lässt es uns den größtmöglichen Raum an Entfaltung auf der Basis von Ökonomie, Leistungsfähigkeit und Ästhetik, da es unserem Wesen entspricht. Es ist eng verbunden mit dem Prinzip der Welle, da sich effiziente Bewegung wellenförmig entlang der Spiralen entfaltet, z.B. in der Kontraktion und Lösung der Muskulatur und der Gelenke (ALLGAIER S. 72f).


Der Verlauf der Spiralen im menschlichen Körper
(THELER S. 108)

Im Taijiquan ist die Lehre von den Spiralen im System des Chansijing zusammengefasst, dem „Rollen des Seidenfadens“. Die Energie des Taijiquan entfaltet sich grundsätzlich immer spiralig. Sie entspricht damit der Bewegung des Wassers. Den Seidenfaden abzurollen bedeutet eine wellenförmige Bewegung nach außen, entsprechend bedeutet das Aufrollen des Seidenfadens eine ebenfalls wellenförmige Bewegung von der Peripherie nach innen zum Dantian, dem Körperzentrum im Unterbauch. Die Wurzel der Bewegung liegt dabei in den Füßen. Sie windet sich durch den Körper nach oben bis in die Hände und Fingerspitzen. Die Symbolik des Seidenfadens drückt aus, wie sanft die Bewegung durchgeführt werden sollte, möglichst ohne Anwendung von Muskelkraft. Die unglaubliche Kraft, die aus einer solchen Bewegung resultiert hat ihren Grund in der Anwendung der Spiraldynamik des menschlichen Körpers. Dies wird erklärt in dem Satz in den Taijiquan-Klassikern: „Die äußerste Härte entsteht aus der äußersten Weichheit.“ Je mehr man sich also diesem Fluss hingibt, desto weicher werden die Bewegungen und gleichzeitig entsteht die innere Spannkraft (Jing), die die äußerst kraftvollen Entladungen erklärt, die die Technik des Taijiquan ausmachen. Auch das Neutralisieren und Transformieren der gegnerischen Kraft wird durch die Spiralbewegung ermöglicht. Jede Verteidigung sollte in solchen spiralförmigen Bewegungen ablaufen. Dies führt dazu, dass ein gegnerischer Angriff ab- oder umgelenkt werden kann und so zur Konterattacke wird. Das Rollen des Seidenfadens hilft auch, den Körper als Einheit zu bewegen, sowohl im Raum als auch in der Zeit, da die Vorstellung vom Auf- und Abrollen des Seidenfadens alle Teile des Körpers miteinander verbindet (THELER S. 105-117).