Taijiquan - die chinesische Kampf- Bewegungskunst als Methode der sozialen Arbeit
Ein Auszug aus dem 3. Kapitel der Diplomarbeit von Jörg Rosenkötter; Fachhochschule Fulda, 2003        
 Die Geschichte des Taijiquan

 Grundlegende Prinzipien
 - Das Prinzip des Wassers
 - Das Prinzip der Spirale
 - Yin und Yang
 Die Idee des Qi
 Taijiquan und Gesundheit
- Auswirkungen des Taijiquan
  aus schulmedizinischer Sicht
- Auswirkungen des Taijiquan
  aus der Sicht der TCM
 Kurze Beschreibung der
 13 Grundtechniken
 Die Bedeutung der
 Partnerübungen
 Literaturverzeichnis
 Kontakt

Kurze Beschreibung der 13 Grundtechniken

Die Sensibilität in den Partnerübungen sollte sich auf das Erspüren und das eigene Ausführen der acht Grundtechniken Peng, Lü, Ji, An, Cai, Lie, Zhou und Kao und der fünf Schritte Qianjing, Houtui, Zuogu, Youpan und Zhongding (siehe auch Anhang 1 und Anhang 2) richten. Diese 13 Methoden sind grundlegend für die Praxis des Taijiquan, sowohl in der Soloform als auch im Partnertraining. Die acht Grundtechniken sind nicht nur als Positionen innerhalb der Soloform zu verstehen, sondern es sind Kräfte, die sich in den verschiedenen Bewegungen ausdrücken. Die Schritte sind ebenfalls nicht nur Schritte, sondern ein Bewegungsprinzip. Die Übersetzung dieser Begriffe birgt große Schwierigkeiten in sich, da sie eine sehr tiefe semantische Bedeutung haben. Im folgenden werden sie umschrieben, dies kann jedoch nicht die Erfahrung dieser Kräfte ersetzen, was für wirkliches Verständnis absolut erforderlich ist. Ein weiteres Verständnis kann aus den Zuordnungen zu den acht Trigrammen des I Ging entspringen (CHEN J. 2000).

Peng Jing (elastische Kraft) entsteht aus der entspannten Körperhaltung des Übenden. Sie gleicht der Kraft einer zusammengedrückten Spiralfeder und ist nicht mit Muskelkraft zu verwechseln. Zu ihrer Entwicklung ist die Erdung des Übenden unbedingt notwendig.

Lü Jing wird mit „ableitende Kraft“ übersetzt. Damit ist gemeint, dass die heranstürmende gegnerische Kraft mit sehr geringer eigener Kraft zum Beispiel durch eine Drehung der Körperachse abgewendet werden kann.

Ji Jing bezeichnet wechselnde Kraft. Zum Zeitpunkt eines maximalen, geraden Drucks des Gegners auf das eigene Zentrum wird der Druckpunkt gewechselt, um eine schwache Position des Gegenübers auszunutzen

An Jing ist eine schiebende Kraft. Dabei sinkt der Rumpf und die Arme und Hände dehnen sich aus. An Jing kann wie jede andere Technik auch an jeder beliebigen Stelle des Körpers eingesetzt werden, nicht nur an Armen und Händen.

Cai Jing stellt eine ziehende Kraft dar. Im Unterschied zu Lü ist Cai aktiv. Man greift den Gegner und bewegt ihn. Cai ist üblicherweise eine Fortsetzung von Lü.

Lie Jing ergibt sich aus dem Kraftansatz an zwei Punkten des gegnerischen Körpers mit unterschiedlichen Richtungen. Man kann diese Technik mit einer oder beiden Händen oder eben einem beliebigen anderen Körperteil ausführen.

Zhou Jing bezeichnet eine Kraft die mit dem Ellbogen oder dem Knie auf den Gegner übertragen wird. Dies kann Peng-, Lü, Ji oder auch An-Kraft sein.

Entsprechendes gilt für Kao Jing, nur dass die Kraft hier nicht mit Ellbogen und Knie, sondern mit Schulter und Hüfte übertragen wird (CHEN, J. und PIEPENBRINK 2000).

Das Qianjing bezeichnet ein Vorwärtsgehen. Hiermit ist jegliche Vorwärtsbewegung gemeint, auch wenn sie nicht mit einem Schritt ausgeführt wird. Es geht um das Folgen, das Kleben am Gegner, der dadurch in eine ungünstige Position kommt.

Houtui meint Zurückweichen im Falle eines starken Angriffs. Zurückweichen meint nicht Flucht, sondern Kontakt mit dem Gegenüber halten und seine Kraft ins Lehre laufen lassen.

Die Begriffe Zuogu und Youpan beschreiben eine Bewegung nach links oder rechts. Dies kann ein Schritt sein oder eine Körperdrehung. Wenn der Gegner auf einer geraden Linie angreift, wird ausgewichen. Die wörtliche Übersetzung „Nach Links/Rechts Schauen“ trifft den Inhalt der Begriffe nicht.

Zhongding ist einer der wichtigsten Begriffe für die Praxis des Taijiquan. Er bedeutet „Im Gleichgewicht sein“. Das entsprechende Symbol ist die Erde, das Zentrum, in der alles wurzelt und aus der alles entsteht. Die Kräfte Peng, Ji, An, Zhou und Kao gehen vom Zentrum nach außen, dies ist das Öffnen, die Kräfte Cai, Lü und Lie gehen nach innen, das bedeutet das Schließen. Ohne Zhongding ist keine dieser Methoden korrekt ausführbar (CHEN, J. und PIEPENBRINK 2000).